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Bauprojekt der Superlative

Es ist nicht nur die größte Erdbaumaßnahme in der nunmehr 45-jährigen Unternehmensgeschichte der Bickhardt Bau AG, sondern wohl auch die derzeit größte Erdbaustelle in Europa.

17 Millionen Kubikmeter – das Material würde ausreichen, um die etwa 930 m lange und 65 m breite Reeperbahn in Hamburg über 230 m hoch zu verfüllen.Die großen Baggerlöffel haben ein Volumen von bis zu sechs Kubikmetern.Jeweils zwei Mann betanken die Fahrzeuge, einer ist für Diesel zuständig, der andere füllt Adblue ein.
17 Millionen Kubikmeter – das Material würde ausreichen, um die etwa 930 m lange und 65 m breite Reeperbahn in Hamburg über 230 m hoch zu verfüllen.
Die großen Baggerlöffel haben ein Volumen von bis zu sechs Kubikmetern.
Jeweils zwei Mann betanken die Fahrzeuge, einer ist für Diesel zuständig, der andere füllt Adblue ein.

Gigantische 17 Millionen Kubikmeter Boden müssen bei der Wiedernutzbarmachung des ehemaligen Braunkohletagebaus Cottbus-Nord des Bergbauunternehmens LEAG in der Lausitz bewegt werden. Zur Verdeutlichung: Das Material würde ausreichen, die etwa 930 m lange und 65 m breite Reeperbahn in Hamburg über 230 m hoch zu verfüllen. Die gewaltige Cheops-Pyramide könnte mit diesen Massen gleich sechseinhalb Mal gefüllt werden. Und das ist nur eine von aktuell fünf Groß- baustellen, auf denen im Auftrag der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) der stillgelegte Braunkohletagebau Cottbus-Nord zum Cottbuser Ostsee ummodelliert wird. Bei diesem Vorzeigeprojekt kommt die LEAG in schneller und kompetenter Weise ihren Verpflichtungen zur Wiedernutzbarmachung des ehemaligen Tagebaus durch eine sehr gute Planung, Vorbereitung und Projektsteuerung nach. Mit 19 Quadratkilometern Fläche wird das Gewässer in den nächsten Jahren zum größten künstlich angelegten Binnensee Deutschlands heranwachsen.

Logistik vom Feinsten

High-Noon im Baucamp – Kantinenchefin Sigrid versorgt die Hungrigen mit Brötchen, Bockwurst, Buletten und Kaffee.
High-Noon im Baucamp – Kantinenchefin Sigrid versorgt die Hungrigen mit Brötchen, Bockwurst, Buletten und Kaffee.

Um die gigantische Menge von 17 Millionen Kubikmeter Boden in einer durch den Auftraggeber LEAG vorgegebenen äußerst ambitionierten Bauzeit von ca. zwei Jahren bewegen zu können, ist eine sorgsam geplante Baustellenlogistik erforderlich. Da sind zum einen die Maschinen: Rund 150 Großbagger, Raupen, Grader und Dumper sind im Einsatz. Sie sorgen dafür, dass das Material an der einen Stelle gelöst, geladen, transportiert und an der anderen Stelle wieder eingebaut wird. In Spitzenzeiten erreicht das Bauteam Bauleistungen von 100.000 m³ an nur einem Tag. Da ist zum anderen die Infrastruktur auf dem knapp 2.000 Hektar großen Baufeld. Über zehn Kilometer Baustraßen haben die Erdbauspezialisten gleich zu Beginn der Bauarbeiten angelegt.

Sie führen von den Abtragssektoren hin zu der ehemaligen Ausfahrt der Braunkohlebahn, die nun verfüllt wird. Dort muss ein Höhenunterschied von maximal 40 Metern ausgeglichen und soviel Material aufgeschüttet werden, dass dieser Bereich als neue Uferlinie oberhalb des späteren Seewasserspiegels liegt. Die abzutragende Fläche beträgt circa 700 Hektar. Um auch bei schlechten Witterungsverhältnissen arbeiten zu können, wurden die Baustraßen mit 16.000 Tonnen Zement verfestigt. Die Streckenbereiche, die am meisten befahren werden, sind zudem asphaltiert worden.

Einsatz einer fachlich umfassenden Software

Ein solch gigantisches Projekt kann natürlich nur mit einer leistungsfähigen Software vermessungstechnisch sinnvoll bearbeitet werden, damit die Planung des Auftraggebers auch passgenau umgesetzt werden kann. Zunächst haben wir mit card_1 die verschiedenen Planungsdaten des Auftraggebers übernommen, mittels Querprofilentwicklung die Baustraßen konstruiert und alle relevanten Absteckungs- und Abnahmedaten erzeugt. Die daraus resultierenden digitalen Geländemodelle bildeten die Grundlage für die Maschinensteuerungssysteme.

Das importierte und kontrollierte Geländemodell der Abtragsbereiche wurde in die vorgegebenen verschiedenen Sektoren unterteilt und ebenfalls den Maschinen als digitale Modelle übergeben. Weiterhin konnten die einzelnen Daten für die Verfüllung der Kohlebahnausfahrt importiert, kontrolliert und als Maschinensteuerungsdaten ausgegeben werden. Sämtliche Baustraßen und Flächen wurden mittels Maschinensteuerungssystemen hergestellt. Für die Zwischenabrechnungen wurden die Dumper-Fuhren gezählt.

Befliegungen zur Kontrolle

Bauleiter Michael Schmidt (links) und Oberschachtmeister Gerhardt Mötzung haben alles im Griff.
Bauleiter Michael Schmidt (links) und Oberschachtmeister Gerhardt Mötzung haben alles im Griff.

Zur Kontrolle dieser Mengen haben wir im Dezember des vergangenen Jahres und im April dieses Jahres Befliegungen mittels UAV (umgangssprachlich Drohnen) durchführen lassen. Die dafür beauftragte Firma ConTech beflog die bearbeiteten Flächen mit dem System MAVinciSirius und lieferte uns als Ergebnis Punktwolken sowie georeferenzierte Orthofotos. Die Punktwolken sowie die Orthofotos konnten problemlos in card_1 importiert und weiterverarbeitet werden. Die Auswertung der Punktwolken erfolgte im 1-m-Raster, die sich daraus ergebenden digitalen Geländemodelle bildeten die Grundlage der Mengenermittlungen (Verschneidung digitaler Geländemodelle). Als zusätzliche Ausgabe konnten Übersichtspläne mit den Orthofotos, den einzelnen Abtragssektoren sowie der Planung im Hintergrund ausgegeben werden.

Größter Binnensee Deutschlands

Neben den großen Fachkenntnissen unseres Mitarbeiters der Vermessungsabteilung war und ist sicherlich die Verwendung der leistungsfähigen Software card_1 ein entscheidender Faktor, um sämtliche vermessungstechnische Daten und Berechnungsgrundlagen einer solch gigantischen Maßnahme effektiv verwalten und bearbeiten zu können. Wenn die Arbeiten spätestens Ende 2018 abgeschlossen sein werden, beginnt die Flutung des größten künstlich angelegten Sees in Deutschland: 280 Millionen Kubikmeter Wasser werden in einem Zeitraum von fünf Jahren auf die 19 Quadratkilometer große vorbereitete Fläche fließen. Die Uferlinie wird dann 25 km lang sein. Es werden verschiedene Uferzonen eingerichtet: Freizeit- und Wassersportbereiche ebenso wie Ruhe- und Naturschutzzonen. Die Lausitz wird um eine Attraktion reicher.