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Mach mal Pause – Dammer Berge

Die Rastanlage Dammer Berge, die an der A 1 zwischen Bremen und Münster liegt, wurde auf beiden Seiten erweitert, um die Park- und Stellplatzkapazität an der Autobahn zu erhöhen. Die Planung der Baumaßnahme, die nach dem Prinzip Tanken, Parken, Rasten zu gestalten war, erwies sich für die Ingenieure der IPW Ingenieurplanung als eine kniffelige Herausforderung.

Luftaufnahme der Rastanlage Dammer Berge im April 2011. Allein für den Ausbau der Ostseite wurden 20 verschiedene Varianten diskutiert.Die Vermessungsarbeiten waren bei laufendem Verkehr und unter knapper Zeitvorgabe zu erledigen.Harter Einsatz bei widrigem Wetter – Auszubildende Lea Vennemann und Jörg Brunotte bei der Vermessung des Plangebietes.Auf der Suche nach der Idee – Lageplan der Ostseite mit handgezeichneter Variantenuntersuchung.Komplexe Ingenieurvermessung der Rastanlage Dammer Berge.
Luftaufnahme der Rastanlage Dammer Berge im April 2011. Allein für den Ausbau der Ostseite wurden 20 verschiedene Varianten diskutiert.
Die Vermessungsarbeiten waren bei laufendem Verkehr und unter knapper Zeitvorgabe zu erledigen.
Harter Einsatz bei widrigem Wetter – Auszubildende Lea Vennemann und Jörg Brunotte bei der Vermessung des Plangebietes.
Auf der Suche nach der Idee – Lageplan der Ostseite mit handgezeichneter Variantenuntersuchung.
Komplexe Ingenieurvermessung der Rastanlage Dammer Berge.

Die Rastanlage befindet sich zwischen den Anschlussstellen Holdorf und Neuenkirchen-Vörden in den gleichnamigen Gemeinden an der A 1. Ost- und Westseite der Rastanlage werden durch das Brückenrestaurant bewirtschaftet. Auf der Ostseite befindet sich ein Motel, das von der Westseite über Wirtschaftswege und ein Brückenbauwerk im Süden erreichbar ist. Das Motel wird durch den Ausbau der Rastanlage überplant und nördlich der Betriebszufahrt zum Brückenrestaurant neu errichtet. Der vorhandene Parkraum der Rastanlage, die vor rund 30 Jahren entstand, wird dem heutigen Verkehrsaufkommen bei weitem nicht mehr gerecht.

Überfüllte LKW-Stellplätze

Deutschland ist als Land mit neun Anrainerstaaten die zentrale Verkehrsdrehscheibe in Europa. Besonders betroffen von der Zunahme des LKW-Fernverkehrs sind die Transitstrecken und die Hinterlandanbindungen der deutschen Seehäfen. Bei einem geschätzten Volumen von über 11 Millionen LKW-Fahrten jeden Tag auf dem Gesamtstraßennetz, von denen ein Großteil über die Bundesautobahnen führt, ist die Anzahl der Park- und Stellplätze für LKW viel zu gering. Dieses führt dazu, dass Fahrer aufgrund von Überfüllung der Rastplätze gezwungen sind, verbotswidrig auf den Zufahrtsstreifen oder auch außerhalb der Autobahnen zu parken, z. B. auf Autohöfen.

Um die geänderten Lenk- und Ruhezeiten nach den gesetzlichen Vorschriften einhalten zu können, ist es unabdingbar, die Park- und Stellplatzkapazitäten an den Autobahnen umfangreich zu erhöhen.

Tanken – Parken – Rasten

Die Rastanlage sollte nach dem Prinzip Tanken, Parken, Rasten gestaltet werden. Den Abmessungen und der Parkkonzeption lagen die gültigen «Vorläufigen Hinweise und Richtlinien für Rastanlagen an Straßen bezüglich Autobahnrastanlagen» (VHRR) zugrunde. Demnach werden die Parkstände über Rotunden (Umfahrten) erschlossen, so dass ein mehrmaliges Umfahren bis zur gewünschten Stellplatzwahl möglich ist.

Weitere Kriterien waren:

  • nahe Lage der Bus- und Parkstände zum Eingangsbereich des Brückenrestaurant
  • LKW-Parkstände abseits der Autobahn, zwecks Erhaltung der Ruhezonen für Berufskraftfahrer. Aus gleichem Grund wird die Tankstellenausfahrt für LKW nicht zwangsläufig über den LKW-Parkplatz geleitet.
  • Beibehaltung der vorhandenen Kapelle mit ihrer seitlichen Eingrünung.

Auf den Punkt gebracht

Gefragt war das Fachwissen der IWP Ingenieure aus den Bereichen Ingenieurvermessung, Planung/Straßenentwurf und Wasserwirtschaft. Ergänzend beteiligten sich Ingenieure der Abteilung Umwelt- und Landschaftsplanung an der Planung, deren Fachbeitrag zum Schutz der natürlichen Ressourcen und für den Erhalt einer intakten Umwelt beitrug.

Die Vermessung erfolgte nach der Richtlinie für die Anlage von Straßen (RAS-Verm), in der die Forderungen der Grundlagenvermessung und der Basisdatenerfassung festgelegt sind. Die komplexe Ingenieurvermessung der Ost- und Westseite der Rastanlage forderte nicht nur vermessungstechnisches Know-how, sondern auch das Sicherheitsbewusstsein zweier Vermessungstrupps, die sich entsprechend dem Regelplan (Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen SiAStra) absichern mussten.

Innerhalb von zwei Wochen wurde das Plangebiet mit ca. 9.000 tachymetrisch aufgemessenen Punkten erfasst; zum Teil unter widrigen Witterungsverhältnissen. Voraussetzung für die Auftragserfüllung war die Anwendung der Vermessungs-, Planungs- und Entwurfssoftware CARD/1 für die Ingenieurvermessung unter Bezugnahme des Kodes 2000 der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr.

Dies bedeutete die Anwendung neuer Punktkodierungen für den Außendienst und einer für die IPW erstmaligen Auswertung für die Erstellung der Grundpläne unter enormen Zeitdruck. Aufgrund der leichten und verständlichen CARD/1 Benutzeroberfläche gelang es der IPW, eine technisch perfekte Planunterlage anzufertigen, die nicht nur die Planer begeisterte.

Jetzt geht‘s rund

IPW erhielt auch die Aufträge für die Erarbeitung der Planfeststellungsunterlagen. Die Anzahl der LKW-Parkstände auf der Westseite wurde gemäß den Vorgaben und den Abstimmungen mit dem BMVBW und der Tank und Rast AG gegenüber vorherigen Varianten erweitert. Sie dient als Grundlage für die Planfeststellungsunterlagen und entspricht den Auflagen des BMVBW.

Die Ostseite dagegen eröffnete allen Beteiligten Ansatzpunkte für neue Wege. Insgesamt 20 Varianten inkl. der erforderlichen Diskussionen waren notwendig, um die Vorstellungen und Auflagen sowie die Richtlinien unter einen Hut zu bringen. Hierbei wurde ein Kreisverkehrsplatz realisiert, der deutschlandweit auf Autobahnrastanlagen als einmalig gilt. Es handelt sich um einen Verkehrsplatz mit sechs Ästen; eine kompakte Rastanlage für PKW, PKW-Anhänger und Busse. Ein Novum auf deutschen Rastanlagen.

Im Jahre 2009 lagen die Planfeststellungsbeschlüsse vor. Im Anschluss bearbeitete die IPW die Ausführungsplanungen und die Ausschreibungen. Begonnen wurde mit dem Bau der Rastanlage im August 2009. Die Fertigstellung der Ostseite erfolge im August 2011, die der Westseite ist für diesen Herbst datiert.

Wohin mit Schmutz- und Regenwasser?

Es ist selbstverständlich, dass das im Bereich der Restaurants und der Toilettenanlagen anfallende Schmutzwasser gesammelt und in einer Kläranlage gereinigt wird. Für die Rastanlage Dammer Berge wird die Abwasserreinigung in der öffentlichen Kläranlage der benachbarten Kommune vorgenommen, bis dahin sind es ca. 7 km.

Um die Druckleitung mit Durchmesser und Wandstärke bemessen zu können, ist eine Höhenvermessung der Leitungstrasse erforderlich mit der Feststellung aller kreuzenden Ver- und Entsorgungsleitungen, Straßen und Wasserläufen und anderen Hindernissen, um daraus die entstehenden Druckverluste und die erforderliche Größe der Pumpaggregate festzulegen. Dementsprechend ist auch die Betrachtung des Regenwassers relevant. Das bedeutet, dass nicht nur Überflutungen bei Starkregen verhindert werden.

Wenn der Regen auf künstlich befestigte Flächen fällt, wie Straßenflächen, Stellplätze oder Dächer, gilt es gemäß den Wassergesetzen als verschmutzt und muss gereinigt werden. Damit sind für die auf dem Gelände niedergehenden Regenmengen ebenso die quantitativen wie auch die qualitativen Aspekte zu beachten. Abhängig vom Verschmutzungsgrad der Teileinzugsgebiete, wie Dachflächen, Fahrbahnen und Stellplätzen, sind die Abflussmengen gesondert abzuleiten und in sogenannten Regenwasserbehandlungsanlagen zu reinigen. Solche Anlagen sind häufig als Absetzbecken zur Abscheidung von Sinkstoffen mit einer Tauchwand zum Rückhalten der Schwimmstoffe, einschließlich der Leichtflüssigkeiten, auszulegen.

Natürlicher Wasserkreislauf

Die gesamte Entwässerungsanlage ist gefälleabhängig zu planen, somit muss als Planungsgrundlage ein zuverlässiges Geländenivellement vorliegen einschließlich Aufnahme aller vorhandenen Zwangspunkte und der Höhensituation des Gewässers an der Einleitungsstelle.

Entsprechend den Vorgaben in den Wassergesetzen soll das Regenwasser möglichst direkt dem natürlichen Kreislauf zurückgegeben werden. Eine Versickerung ist daher als vorrangige Lösung anzustreben. Sollte das nicht möglich sein, da die Durchlässigkeit des anstehenden Bodens nicht gegeben ist oder das Grundwasser zu hoch ansteht, ist vor einer Einleitung in ein oberirdisches Gewässer eine Rückhaltung vorzusehen.

In einem solchen Rückhaltebecken werden die Zulaufwassermengen zwischengespeichert und gedrosselt in die Vorflut abgegeben. Die Drosselwassermenge wird in der Regel so festgelegt, dass der gesamte durch die Baumaßnahme verursachte Mehrabfluss aufgehoben wird und das Vorflutgewässer nicht höher beansprucht wird. Auf der Rastanlage Dammer Berge sind auf der Ost- und Westseite jeweils Rückhaltebecken mit ca. 1.000 m³ vorgesehen. Die Zulaufmengen betragen jeweils etwa 600 l/s, die auf eine Ablaufmenge von ca. 10 l/s gedrosselt werden. Damit ist gesichert, dass alle Unterlieger am Gewässer nicht von höheren Wasserspiegeln betroffen sind und keine Verschlechterungen eintreten.

Gut gerüstet

Nach Fertigstellung der Rastanlage Dammer Berge stehen insgesamt 82 LKW-, 120 PKW- und 12 Bus-Parkstände zur Verfügung. Außerdem wird eine zusätzliche Stellfläche für Großraum- und Schwertransporte ausgewiesen. So bleibt die Rastanlage ein beliebter Treffpunkt für alle Kraftfahrer und ein idealer Ort zum Pausieren.