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Innovativ planen

Der Ausbau der Ortsdurchfahrt Glashütte führt zu einer deutlichen Minderung des Verkehrslärms, Nutznießer sind vor allem die Anwohner. Die straßenbauliche Maßnahme plante das Ingenieurbüro Klaeser aus Waren an der Müritz mit CARD/1. Laserscannerdaten dienten als Planungsgrundlage.

Regelquerschnitt in Punktwolke integriert.Vorher: Die Ortsdurchfahrt mit historischem Kopfsteinpflaster führte zu einer hohen Lärmbelastung der Anwohner.Nachher: Die neue Ortsdurchfahrt erzeugt weit weniger Lärm.Bestandsaufnahme der Ortsdurchfahrt.
Regelquerschnitt in Punktwolke integriert.
Vorher: Die Ortsdurchfahrt mit historischem Kopfsteinpflaster führte zu einer hohen Lärmbelastung der Anwohner.
Nachher: Die neue Ortsdurchfahrt erzeugt weit weniger Lärm.
Bestandsaufnahme der Ortsdurchfahrt.

Glashütte ist eine kleine Ortschaft in Mecklenburg-Vorpommern unmittelbar an der polnischen Grenze. Der Dorfkern wird von einer Landesstraße gequert. Die ehemalige Stolzenburger Glashütte war von 1665 bis 1929 in Betrieb und hat die Entwicklung des Ortes maßgeblich geprägt. Das Straßenumfeld ist weitgehend durch traufständige eingeschossige Gebäude gekennzeichnet. Die ursprüngliche Straßenbefestigung aus dem Ende des 19. Jahrhunderts bestand aus teilweise behauenen Feldsteinen. Beiderseits des Ortes ist die Landesstraße gut ausgebaut, so dass sie in besonderem Maße für überregionale Holztransporte, die häufig in der Nachtzeit abgewickelt werden, eine attraktive Verbindung darstellt. Innerorts führte diese Verkehrsbeziehung auf der unebenen Oberfläche zu erheblichen Lärmbelästigungen für die Anwohner.

Pilotprojekt für den Auftraggeber

Wir, das Ingenieurbüro Klaeser, wurden durch das Straßenbauamt Neustrelitz als Behörde der Straßenbauverwaltung Mecklenburg-Vorpommern mit den Planungsleistungen zum grundhaften Ausbau der Ortsdurchfahrt beauftragt. Die CARD/1 Punktwolke stellte für uns schon seit Längerem eine interessante Programmapplikation dar. Waren bisherige Einsatzbereiche vorwiegend dem Hochbau vorbehalten, so bietet die stetig zunehmende Leistung von Hardwarekomponenten auch die Möglichkeit, größere Datenmengen von längenbezogenen Bauwerken zu verwalten. Wir konnten unseren Auftraggeber aufgrund mehrerer projektspezifischer Randbedingungen davon überzeugen, das Laserscanning im Rahmen eines Pilotprojektes einzusetzen. Maßgebliche Aspekte waren die detaillierte Aufnahme der unebenen Straßenoberfläche sowie vielfältiger kritischer Randbereiche, wie Einzelbäume und Zufahrten. Die Laserscans erstellte das Ingenieur- und Vermessungsbüro Dimitrov aus Schwerin. Dipl.-Ing. Rumen Dimitrov beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit der Technologie und ist ein Vordenker auf diesem Gebiet.

DGM nicht mehr nötig

Wir erhielten vom Vermessungsbüro einen Datensatz mit knapp 30 Mio. Punkten. Die Übergabe erfolgt in einer einfachen Textdatei. Für jeden Laserpunkt werden dreidimensionale Daten geliefert. Als ergänzende Information besitzt jeder Punkt eine Farbzuweisung zur Darstellung in allen Ansichten. Das Einlesen in CARD/1 funktionierte ohne Probleme. Die Punktwolke lässt sich nahezu in allen Programmteilen verwenden. Im Lageplan liefert sie einen luftbildähnlichen Hintergrund. Weitaus interessanter ist die Nutzung in Profilen und der 3D-Projektansicht. Mit der Verwendung der Punktwolke ist die Erstellung eines Digitalen Geländemodells (DGM) nicht mehr erforderlich. Die Aufnahmedichte der Punkte ist so hoch, dass sich eine Vermaschung von Dreiecken erübrigt.

Gute visuelle Darstellung

Aus dem Modul Punktwolke lassen sich über Stationslisten beliebige Bestandslängs- und -querschnitte erzeugen. Dabei kann ein paralleler Korridor entlang der Schnittachse oder der Profilstation definiert werden, in dem die Punktwolkenpunkte ausgewertet werden. Ist der Korridor sehr klein, erhält man ein exaktes Querprofil der Station bzw. des Längsschnittes der Achse. Dieses kann in eine herkömmliche Profillinie verwandelt werden. Durch die Wahl eines größeren Auswertekorridors erreicht man insbesondere gute visuelle Darstellungen, zum Beispiel für die Verwendung in Öffentlichkeitsveranstaltungen.

Exakte reale Profile

Einen wesentlichen Vorteil der Punkwolke sehen wir darin, dass man an jeder Station ein exaktes, der Realität entsprechendes Profil erzeugen kann. Dies ist besonders in Ortsdurchfahrten mit üblicherweise vielen Zwangspunkten interessant. Der Planer ist nicht von der „Tagesform“ des Vermessers abhängig, sondern definiert die planungsrelevanten Bestandspunkte mit hoher Genauigkeit selbst am PC.

Ausbau der Ortsdurchfahrt

Planen in der Punktwolke.

Die Realisierung der Maßnahme erfolgte im Jahr 2013 und wurde durch alle Beteiligten positiv bewertet. Mit der Fertigstellung wurde die Lärmsituation für die Anwohner deutlich verbessert. Die Anwendung der Punktwolke hat sich bei uns bewährt und wir planen indessen auch an größeren Projekten mit diesem Verfahren. Für erfahrene CARD/1 Anwender stellt sich die Verwendung des Moduls unproblematisch dar, weil es sich nahtlos in die vorhandene Umgebung einfügt. Zur Bewältigung der Datenmengen empfiehlt sich die Verwendung leistungsfähiger Hardware. Dies verkürzt die Wartezeiten beim Berechnen von Profilen oder der grafischen Darstellung.

Sicherheit und Komfort

Wir hoffen, dass IB&T das Verfahren Punktwolke weiterentwickelt. In der 3D-Projektansicht ist es derzeit möglich, sich in Punktwolken zu bewegen und diese gemeinsam mit DGMs, der Planung oder Bauwerken anzuzeigen. Ein Wunsch wäre die Darstellung eines fotorealistischen Planungsmodells in der Punktwolke mit der Option zur Aufzeichnung von Videos auf einer festlegbaren Kameraroute. Wir sind zuversichtlich, dass die Umsetzung erfolgen wird.