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Geistliche und weltliche Einflüsse

Der zentral gelegene und beliebte Dom- und Marktplatz der Stadt Paderborn erhält ein neues Gewand. Mit der Umgestaltung soll sowohl die reiche Vorgeschichte dieses Ortes thematisiert als auch ein attraktiver städtischer Raum mit einer hohen Aufenthaltsqualität für alle Nutzergruppen geschaffen werden. An vorderster Front mit dabei – BPR aus Hannover mit CARD/1 aus Norderstedt.

Visualisierung Weg zum MarktplatzBestandsfoto 2013Perspektive Marktplatz
Visualisierung Weg zum Marktplatz
Bestandsfoto 2013
Perspektive Marktplatz

Ein Spaziergang über den Paderborner Dom- und Marktplatz lädt zu einer kulturgeschichtlichen Entdeckungsreise ein. Im Mittelalter war der Marktplatz größter Platz der Domfreiheit. Mit dem Hellweg querte eine der bedeutendsten historischen Handelsstraßen die Platzfolge. Der heutige Domplatz entstand auf dem Grundriss einer alten Friedhofsanlage am Dom. Die umgebenden Sakralbauten mit ihren Fassaden aus verschiedenen Zeitepochen reflektieren das kulturelle Erbe Paderborns.

Weder schön noch verkehrssicher

Übersicht der Freianlageplanung (Quelle lad+)
Übersicht der Freianlageplanung (Quelle lad+)
Technischer Lageplan
Technischer Lageplan

Bis heute stehen geistliche und weltliche Nutzungen bedeutsam nebeneinander. Doch die Oberflächen des Dom- und Marktplatzes sind inzwischen in die Jahre gekommen und teilweise nicht mehr verkehrssicher. Die Stadt Paderborn wünschte folglich eine Neugestaltung und -gliederung des Platzensembles. BPR und das Büro lad+ landschaftsarchitektur diekmann waren als Arbeitsgemeinschaft in einem VOF-Verfahren erfolgreich und haben den Auftrag für die Objektplanung der Freiund Verkehrsanlagen (Leistungsphasen 1 bis 5 HOAI) erhalten. Er umfasste eine öffentliche Verkehrsfläche von rund 9.000 m² und ein Bauvolumen von rund 3,4 Mio. Euro brutto. Geplant wurde von Oktober 2013 bis September 2014.

Weniger Verkehr – mehr Freiraum

Ziele der Neugestaltung des Platzensembles waren die Entflechtung von Verkehrsanlagen, die Schaffung von Aufenthaltsbereichen und eine räumliche Akzentuierung des Domplatzes mittels einer Baumreihe, die den Verlauf des historischen Hellwegs nachzeichnet und gleichermaßen die Grenze des ehemaligen Friedhofs markiert. Für das gesamte Ensemble ist eine Priorisierung des Fußgängerverkehrs vorgesehen.

Der räumlich deutlich gefasste Marktplatz soll eine polygonale Innenfläche erhalten. Sie soll dem Platz Weite, den Marktständen eine Basis und dem Brunnen einen zentralen Ort geben. An die Platzränder werden besondere Anforderungen hinsichtlich der Auslagen der Geschäftsanlieger, der Außengastronomie und der Kundenströme gestellt. Ein Fries markiert daher die Kante zwischen dem umlaufenden Gehbereich mit großformatigen Platten und der inneren Platzfläche aus Pflastersteinen. Der Marktplatz wird bewusst frei gehalten von weiterer Möblierung. Der Bereich vor der Gaukirche wird heute von einem Parkplatz dominiert. Der Verzicht auf rund 30 Stellplätze gibt dem Domplatz nutzbaren öffentlichen Freiraum mit Aufenthaltsqualitäten vis-à-vis des Doms. Der Bereich vor der Gaukirche kann dadurch, wie bereits der heutige Marktplatz, als Fußgängerzone ausgewiesen werden.

Einklang in Form und Funktion

Die wahrscheinlich auffälligste Änderung betrifft den Übergang vom Domplatz oben zum Domhof unten. Der Platz mit dem Baumhain öffnet sich zukünftig zum unteren Domhof in Form einer großzügigen, bis zu 50 m breiten Freitreppe, in die seitlich eine Rampe für Feuerwehrfahrzeuge eingeschnitten ist. Hierdurch kann eine 35 m lange Stützwand entfallen, die bisher eine Barriere darstellt. Der östliche Teil des Domplatzes soll weiterhin außerhalb von Markttagen als Parkplatz genutzt werden. Durch die Vielzahl an Märkten, etwa Wochenmarkt, Weihnachtsmarkt, Libori und andere Events, bestand außerdem die Herausforderung, die unterschiedlichen Nutzungen gestalterisch in Einklang zu bringen.

Der geplante Parkplatz besteht aus zwei Fahrgassen mit jeweils beidseitigen Senkrechtstellplätzen. An beiden Stirnseiten ist eine Umfahrungsmöglichkeit geplant. Dadurch ergibt sich ein geordnetes Bild für eine leichtere Orientierung von Autofahrern und Fußgängern. Die notwendige Breite der Fahrgassen von 6,00 m wird durch Gliederungselemente, wie einem Gehband und Gossen, optisch auf 4,50 m reduziert. Der Domplatz soll eine Einstufung als verkehrsberuhigter Bereich erhalten, in dem maximal mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf und Fußgänger Vorrang genießen. Der Vorplatz vor dem Generalvikariat bildet einen eigenständigen Teilraum im Domplatz, der sich dem engeren Dombezirk zuordnet. Er kann auch funktional, durch Zuweisung der 12 Stellplätze vor dem Generalvikariat, unabhängig vom Gesamtparkplatz als Aufenthaltsbereich oder für Veranstaltungen genutzt werden.

Hochwertige Gestaltung

Als einheitliches Gestaltungselement ist der flächenbündige Einbau von Natursteinen vorgesehen. Dabei sollen zum Teil auch die vorhandenen Steine wiederverwendet werden. Durch die Differenzierung von Formaten, Verbänden und Oberflächenbearbeitung sollen unterschiedliche Funktionen verdeutlicht werden. Bestandteil der Planung war die Ausstattung des Verkehrsraumes mit Bänken, Leuchten, Fahrradbügeln, Pollern und Abfallbehältern aus einer einheitlichen Möbelfamilie. Am oberen Treppenrand der Freitreppe zum Dom bietet eine Reihe von Sitzbänken Platz zum Verweilen und wird gleichzeitig zum Filter zwischen kontemplativen Domplatz und profanem Marktgeschehen. Die frei stehenden Bäume sollen mittels Baumschutzgittern geschützt werden.

Planungsaufgabe BPR

BPR wurde beauftragt, die unterschiedlichen Nutzungen des Platzes als Verkehrsanlage, Parkplatz, Aufenthalt und Wochenmarkt neu zu strukturieren. Dabei sollte die Höhenentwicklung des Geländes optimiert werden, um einen homogenen, niveaugleichen Ausbau zu erreichen und die vorhandene Situation der Oberflächenentwässerung zu verbessern. Außerdem waren die Belange eines barrierefreien Zuganges zu berücksichtigen. Zu einer Besonderheit zählte die Planung einer 50 m langen Freitreppe mit Zwischenpodest und seitlicher Feuerwehrrampe. Speziell die Ausbildung des Übergangs zwischen Treppe und Rampe war zunächst nur schwer vorstellbar.

Die Planung mithilfe der CARD/1 Module Achsentwurf, Gradientenentwurf, Profilentwicklung und Modellerstellung zu bearbeiten, war sehr umfangreich, hat gleichwohl allen Beteiligten viel Spaß gemacht. Als sehr hilfreich entpuppte sich das CARD/1 Modul 3D-Projektansicht, um einerseits die Planung zu prüfen, andererseits, um eine räumliche Vorstellung der Planung zu bekommen. Auch bei Informationsveranstaltungen konnte BPR mithilfe der dreidimensionalen Ansicht eine anschauliche Präsentation der Planung vorstellen.

Neue Wohlfühlqualität

Das Büro Fahlke und Dettmer hatte den Auftrag für die konzeptionelle Planung der öffentlichen Beleuchtung. Für die einzelnen Platzbereiche soll eine dem jeweiligen Charakter entsprechende spezifische Lichtatmosphäre erzeugt werden. Der Domplatz erfährt durch wenige hohe Lichtpunkte eine gleichmäßig helle Ausleuchtung, der Platzbereich zwischen Gaukirche und Dom wird in ein atmosphärisches Licht mit niedrigen Lichtkegeln gehüllt. Der Marktplatz wird von seinen Rändern her erhellt. Die Beleuchtung des Brunnens setzt einen besonderen Akzent bei Dunkelheit. Treppen und Rampe erhalten eine in die Handläufe integrierte Beleuchtung, die zudem die Richtung zum Dom akzentuieren.

Die Bauarbeiten für den Dom- und Marktplatz haben 2014 mit Leitungsarbeiten und archäologischen Untersuchungen begonnen und sollen sich bis 2018 erstrecken. BPR ist sehr gespannt auf das fertige Bauwerk und die neuen Aufenthaltsqualitäten vor dem Dom.

Anschauliche Prüfung in 3D

BPR setzt die CARD/1 3D-Projektansicht bereits bei der Grundlagenerstellung und dem Geländemodell der Bestandsaufnahme ein. Durch die räumliche Ansicht des Digitalen Modells und der Bruchkanten lassen sich Höhenfehler, Ausreißer und nicht realistische Höhenverläufe anschaulich feststellen und bereinigen. Zum überwiegenden Teil setzt BPR dieses Tool bei der Planung von Verkehrsanlagen ein. Es unterstützt das Unternehmen sowohl bei der Entwicklung von Deckenhöhenplänen als auch bei der Darstellung komplexer räumlicher Zusammenhänge. Die Planung von Deckenhöhen, abgeleitet aus der Profilentwicklung und der Modellerstellung aus Querprofilen, wird in der 3D-Projektansicht dargestellt. Das dreidimensionale Bild lässt sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln und angepassten Überhöhungsfaktoren betrachten. Dadurch sind die Planungsergebnisse anschaulich prüf- und fachlich bewertbar.

3D-Projektansicht – Feuerwehrrampe und Freitreppe zum Domvorplatz, Blickrichtung Süd
3D-Projektansicht – Feuerwehrrampe und Freitreppe zum Domvorplatz, Blickrichtung Süd
3D-Projektansicht – Feuerwehrrampe und Freitreppe zum Domvorplatz, Blickrichtung West
3D-Projektansicht – Feuerwehrrampe und Freitreppe zum Domvorplatz, Blickrichtung West
3D-Projektansicht – Feuerwehrrampe und Freitreppe zum Domvorplatz, Blickrichtung Ost
3D-Projektansicht – Feuerwehrrampe und Freitreppe zum Domvorplatz, Blickrichtung Ost